Salpeterer vom Hotzenwald

 

Geschichte der Grafschaft Hauenstein

Vor 500 Jahren in Asche gelegt

Brandkatastrophe vernichtete Burg Hauenstein

Intakte Burgen und Schlösser vermitteln Romantik, Burgruinen bergen dagegen eher Geheimnisvolles und Schicksalhaftes — wie etwa die Burgruine Hauenstein mit ihren bis zu sieben Meter hohen und drei Meter starken Außenmauern auf einem steilen Gneisrücken hoch über dem Rhein. Die Feste brannte 1503 nieder; doch die Grafschaft Hauenstein existierte noch bis ins Jahr 1806.
    Die Burg Hauenstein gab nicht nur der unter ihr liegenden, einst kleinsten Stadt Deutschlands ihren Namen, sondern auch dem Verband der acht Einungen, dessen Gebiet dem heutigen Hotzenwald entspricht und damals als Grafschaft Hauenstein bezeichnet wurde.
    Wann genau die Burg gebaut wurde, lässt sich heute nicht mehr ergründen. Sie stand jedoch bereits 1108, und zwar dort, wo das Rheintal sehr eng ist, wo man also die unter Ihr verlaufende wichtige Verkehrsstraße beherrschte und Reichszoll erheben konnte. Vielleicht wurde aus diesem Grund die Burg errichtet, vielleicht diente sie aber auch in erster Linie als Ausgangspunkt zur Erschließung des mittleren Hotzenwaldes. und stand in enger Verbindung mit dem nahe liegenden Hochsal, das unter fränkischem Einfluss etwa ab dem 10. Jahrhundert dieser Aufgabe nachkam.
    Im Jahre 1215 ist von einem Ritter Luithold von Hauenstein die Rede, der eine Kapelle zu Ehren des heiligen Josef erbauen ließ, weil an jener Stelle sein kleiner Sohn einen Sturz aus 30 Metern Höhe unversehrt überlebte. Ulrich (1290) und Johann von Hauenstein (1316) wohnten noch auf der Burg; Wilhelm (1368) und Henman (1382) gehörten ebenfalls noch diesem Geschlecht an, danach kam diese Adelsfamilie in den Urkunden nicht mehr vor. Sie erwarb alsbald in Säckingen das Bürgerrecht, wo die heutige Hauensteinstraße noch an ihre früheren Liegenschaften etwas außerhalb der damaligen Stadtmauer erinnert.
Die Hauensteiner Burg war aber lange Zeit Sitz des jeweiligen Waldvogtes, der von den Habsburgern, der österreichischen Landesherrschaft, eingesetzt war und der über die hoheitlichen Rechte des Hauensteiner Landes wachte.

Der Untergang

Während man zur Zeit des Grafen Rudolf von Habsburg (1254) noch „von den Leuten auf dem Wald“ sprach, führte das Gebiet der acht Einungen zwischen Schwarza und Wehra ab 1383 die Bezeichnung „Vogtei zu Hauenstein“, aus der 1523 die „Herrschaft Hauenstein“ und 1562 schließlich die „Grafschaft Hauenstein“ wurde. Sie umfasste die Einungen Dogern, Birndorf, Höchenschwand, Wolpadingen, Görwihl, Rickenbach, Hochsal und Murg und existierte als Verwaltungsbezirk noch bis 1806, als das Land Baden gegründet wurde. Der letzte Waldvogt verließ allerdings bereits 1495 die Hauensteiner Burg und residierte alsdann in Waldshut.
    Die Burg blieb aber weiter bewohnt, bis sie schließlich 1503 durch „Unvorsichtigkeit des Burggesindes in Flammen gesetzt“ wurde: Frauen hatten auf den Felsen Hanfbündel zum Trocknen ausgebreitet, auf denen sich Schlangen sonnten. Ein Knecht des Burgschmieds wollte die Reptilien mit einem glühenden Eisen vertreiben, worauf der Hanf in Brand geriet. Das Feuer griff rasch auf eine mit Hanf gefüllte Kammer über, und der größte Teil der Burggebäude - überwiegend aus Holz erbaut - brannte nieder. Nur ein Wohngebäude blieb verschont und ein kleiner Turm, der dann als Gefängnis für die Waldvogtei diente.
1510 bemühte sich Waldvogt Philipp Kuny um den Wiederaufbau und bat hierfür die Einungen um Geld doch diese lehnten ab. Daraufhin zerfiel das schon vor dem Brand marode Bauwerk immer mehr. 1644 wurde es von den Franzosen während des 30-jährigen Krieges wieder instand gesetzt. Danach kümmerte sich allerdings niemand mehr um das Wahrzeichen des Hauensteiner Landes. Im Gegenteil: Die in Hauenstein wohnenden Bürger holten von der Burg immer wieder Steine für ihre Häuser, insbesondere für den Wiederaufbau ihres 1708 abgebrannten Städtchens. Als Hauenstein 20 Jahre nach der Eröffnung der Hochrhein-Eisenbahn endlich einen eigenen Bahnhof bekam, erinnerte man sich wieder seiner früheren Bedeutung als Verwaltungssitz der Grafschaft. Am 15. Juni 1876 lud man daher zu einem großen Fest auf die „Alt-Graf-Hans’sche Schlossruine“ ein, lag die neue Bahnstation Albert- Hauenstein doch in ihrer unmittelbarer Nähe.

Sicherungsmaßnahmen

Nun wollte man doch den Erhalt der Ruine sichern. So wurde 1892 vom Staat als Eigentümer des Areals eine Konservierung vorgenommen und im Laufe der späteren Jahre an den steil abfallenden Stellen mit zusätzlichen Mauerbefestigungen und durch das Anbringen von Eisengeländern und Stahlseilen für die Sicherheit der Besucher gesorgt. Für sie ist heute allerdings nur die etwa 35 Meter lange Hauptburg einigermaßen gut zugänglich. Beim 60 Meter langen, mit Sträuchern ziemlich zugewachsenen Innenhof der Vorburg erinnern leider nur noch alte, von Kletterpflanzen überwachsene Mauern an die wechselvolle Geschichte der Festung. Ihre Reste schlummern seither im Dornröschenschlaf. Eine Erlösung aus der völligen Überwucherung wäre wünschenswert. Schließlich zählt die majestätisch thronende Burganlage zu den größten im Landkreis und war im Mittelalter sogar noch größer als die Küssaburg. Doch momentan herrscht reiner Verfall vor, selbst die Hinweistafel auf die Burggeschichte im Innern der Anlage ist völlig marode und kaum mehr lesbar. Hier wären die Stadt Laufenburg und ehren-amtliche Initiativen gefordert.
    Die Ortschaft Hauenstein verdankt ihre Entstehung der Burg. Sie erhielt 1317 das Stadtrecht. Aufgrund der topografischen Lage konnte sich das Zwergstädtchen aber nicht richtig ausdehnen und erlangte nie die Bedeutung der anderen Waldstädte Bevor Hauenstein. 1972 nach Laufenburg eingemeindet wurde, war es mit 144 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands und ist noch heute mit nur 29,40 Hektar die kleinste Gemarkung im Land. Große Anziehungskraft hat das alljährlich am Sonntag nach dem 19. März stattfindende Josefs-Fest.

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Lagaplan der Burg Hauenstein

Die Sage

Als zum Kreuzzug ins Heilige Land aufgerufen wurde, schloss sich auch Luithold von Hauenstein dem christlichen Heer an. Nach der Rückkehr auf seine Burg über dem Rhein brachte er einen zum Christentum bekehrten Juden mit, für den er neben der Josefs-Kapelle eine Klause errichten ließ. Der Klausner machte aus der ganzen Burghalde einen blühenden Garten mit wundersamen Pflanzen. Bald kamen die Leute aus der ganzen Umgebung um bei dem weisen Juden Rat und Hilfe in Krankheiten und anderen Nöten zu holen. Als der Klausner im hohen Alter starb, wurde er bei der Burgkapelle begraben.
    Die Klause verfiel mit den Jahren, der „Judengarten“ wird aber als Gewann-Name noch heute im Grundbuch und Liegenschaftskataster geführt.

Aus einem Zeitungsausschnitt im Albbote vom 8.3.2003
VON RICHARD KAISER

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