Salpeterer vom Hotzenwald

 

Geschichte der Grafschaft Hauenstein

Einmaliger Bund im Kampf um die Freiheit

Von der Entstehung der „Einungen auf dem Wald“ – Selbstschutz für die Bauern durch die Landfahnen

Die Entstehung der „Einung auf dem Wald“, dem Gebiet der später nach dem ersten Verwaltungssitz so benannten Grafschaft Hauenstein, wird auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert. Bei der ersten Erwähnung 1371 hat die Einung (das Wort kommt von einig) bereits eine Ordnung und Satzung. Diese Verwaltungseinheit auf dem Hotzenwald wurde aber nie, wie oft dargestellt, zu einer unabhängigen Bauernrepublik; denn die Einung erlangte keine Hoheitsrechte und das Territorium unterstand ab 1254 bis 1805 dem Hause Habsburg. Diese Verwaltungseinheit auf dem Hotzenwald, eine bäuerlich-genossenschaftliche Selbstverwaltung mit begrenzter Autonomie, war in Vorderösterreich einmalig.
Sie entstand wohl aus einer Selbstschutzorganisation zusammengeschlossener Bauern unter Billigung der österreichischen Landesherren. Ziel war aber später die politisch-rechtliche Gleichstellung aller Bewohner dieses Gebietes — ohne Rücksicht darauf, ob sie Freie oder Eigenleute der Klöster St. Blasien oder Säckingen waren. Organisatorisch wurde die Grafschaft Hauenstein bald in acht eigenständige Einungen gegliedert und zwar in Hochsal, Murg, Rickenbach, Görwihl und Wolpadingen „unter der Alb“ sowie Dogern, Birndorf und Höchenschwand „ob der Alb“. Aus Paritätsgründen bei den Wahlen zählte man aber Wolpadingen stets zu den oberälbler Einungen.
Das Entstehen dieser Einungen um bedeutende Kirchspielorte ist unverkennbar. Die ihnen zustehenden staatlichen Aufgaben erfüllten die Einungen durch die gewählten und beauftragten Einungsmeister. Ein wesentlicher Zug der immer wieder angeführten Freiheitsrechte der Hauensteiner war, daß sie den Einungsmeister frei wählen konnten. Diese Wahl erfolgte jedes Jahr öffentlich in allen acht Einungen am 23. April, am Georgstag. Jeder verheiratete Mann mit eigenem ~Hausstand konnte wählen und gewählt werden, unabhängig davon, ob er frei oder leibeigen war. Die acht ausscheidenden und die acht neuen Einungsmeister wählten dann eine Woche später aus ihren Reihen bei der Zusammenkunft in Görwihl den Redmann, den Sprecher und höchsten Vertreter der Grafschaft.

Eigener „Selbstschutz“

Ein wesentliches Kennzeichen der Hauensteiner Einung war der von den Bauern aufgebaute und organisierte Selbstschutz gegen äußere Feinde im sogenannten „Landfahnen“. Befehligt wurde diese Hauensteiner Miliz anfänglich vom Waldvogt, später von einem eigenem Hauptmann Erste Aufgabe des Landfahnens war im Ernstfall die Besetzung und Verteidigung der an strategisch wichtigen Punkten angelegten befestigten Anlagen, den „Letzten“. Solche bestanden vor allem bei Schwörstadt, beim Eingang ins Wehratal, am Roten Haus bei Murg, bei Albbruck und Remetschwiel. Weiter wurden die Angehörigen des Landfahnens zu Schanzarbeiten herangezogen, als Wachtposten sowie zum Transport von Kriegs- und Baumaterial und zu Fouragelieferungen.
Laut einer Aufstellung von 1655 zählte der Hauensteiner Landfahnen 2059 wehrfähige Männer; die Landfahnenpflicht galt durchschnittlich vom 16. bis zum 60. Lebensjahr, doch wurden auch junge Burschen zu den regulären Truppen eingezogen. Bemerkenswert ist, dass die Einungsmeister, Vögte und Steurer jeder Einung während ihrer einjährigen Amtszeit vom Kriegsdienst freigestellt waren, damit die Verwaltung funktionieren konnte.

Mehrheit entschied

An der Spitze jeder Einung stand wie bereits gesagt ein Einungsmeister. Seine Wahl war nicht geheim, die einfache Stimmenmehrheit mit aufgehobener Hand entschied. Der neu gewählte Einungsmeister war verpflichtet, sein Amt anzunehmen und auszuüben. Es war ein reines Ehrenamt, die Entschädigung von zehn Gulden im Jahr war äußerst gering. Hauptaufgabe der Einungsmeister war die Mitwirkung bei der Festlegung der Steuern durch die Landstände und besonders die Umlegung der auf ihre Einung entfallenden Steueranteile auf die einzelnen Höfe. Weiter waren die Einungsmeister Beisitzer bei den Amtstagen des Waldvogtes (heute Landrat) in Waldshut.
Als Zeichen ihres Amtes trugen sie nicht — wie bei den Bauern üblich —einen schwarzen, sondern einen blauen „Schoben“ (Wams) und einen Hirschfänger. Nach Ablauf ihrer einjährigen Amtszeit mußten sie „Rechnung ablegen“ über ihre Einnahmen und Ausgaben und über die Verwendung der aufgebrachten Gelder.

Aus dem Südkurier vom 1.3.1996